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"Camp 4 - Im Zentrum des Yosemite"
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Ein Auszug aus Robert Steiners Stoneman .

Schön langsam wird es zur liebgewonnen Tradition, hier - wenn möglich -heitere Inhalte vorzustellen. "Camp 4" ist dieses legendäre Camp imYosemite Valley, das jedem fleischgewordenen Sportkletterfreak einmalim Leben einen Aufenthalt wert sein sollte!

Zum Autor:
Unbestritten - der Großteil der alpinen Literatur kommt von ewigGestrigen - die "jungen, wilden" wie "Stoneman" Robert Steiner greifenan:
"Die Geschichte des Alpinismus ist bislang immer nur von den Gewinnerngeschrieben worden. Es waren die Rekordhalter, die Übermenschen, dieIdole, die die Feder zur Hand nahmen und das verfassten, was wir heuteals die Originaldokumente der Alpinhistorie ansehen. Auch diese Zeitwird Gott sei Dank zu Ende gehen. Die Gewinner haben ausgedient. Jeder,der Geschichten mit sich herumträgt, wird erzählen können."
Und Robert Steiner ist definitiv einer derjenigen, der sie auch zu Papier bringen kann.

 

[...] Nicht eine große Geschichte, sondern viele kleinere
Erlebnisse zeigen, dass Steiner sowohl was seine
alpinen Leistungen angeht, als auch seine
Schreibkünste ganz oben mitspielt.
Neben Geschichten aus den Alpen liegt ein zweiter
Schwerpunkt im kalifornischen Yosemite. Ein humorvolle
Betrachtung aus der Sportkletterszene und ein
Rückblick auf sein erstes Buch runden das Buch ab.
Meiner Meinung nach gehört dieses Buch in das
Bücherregal eines jeden, der sich ein wenig für das
Bergsteigen interessiert.

Privatrezension auf amazon.de

 

 

 



Das Camp 4, oder auch „Sunnyside Walk In Campground", ist beinahe so bekannt wie das Yosemite selbst.
Ich hatte viele Bücher und Berichte über diesen Zeltplatz gelesen, bevor ich ihn mit eigenen Augen sah. Da waren die Texte von Reinhard Karl, die wie aus einer anderen Welt, von einer längst vergangenen Epoche berichteten.
In ihnen ist das Camp 4 der Wohnplatz von kletternden Outlaws, von Freaks und anderen Verrückten, die eine Welt am Rande der amerikanischen Gesellschaft leben, die eine Existenz außerhalb des Wirtschafts- und Leistungsmonstrums des Spätfordismus aufbauen. Sie sind ganz eingebettet in die Anfänge der Freikletterbewegung.
Ein anderer Erzähler aus dieser Zeit ist John Long. Auch in seinen Geschichten ist das Camp 4 das eigentliche und wahrhaftige Zentrum vom Yosemite.
Es ist ein Ort mit wilden Festen, spannenden Erstbegehungen und markanten Gestalten.
Als ich das Camp 4 zum ersten Mal genauer betrachtete, konnte es angesichts dieser gewaltigen Vorstellungen eigentlich nur enttäuschen. Ein staubiger und verschlafener Campingplatz, in dem die Hitze zwischen den alten Bäumen flirrte. Ein paar Holzbänke und einige verstreute Boulderblöcke, dazwischen Zelte und Metallboxen, in denen das Essen vor den herumstreunenden Bären versteckt werden kann.

Auf den ersten Blick kein besonders wilder Platz, und es gibt nichts Außergewöhnliches zu verzeichnen. Aber der erste Blick täuscht. Das Camp 4 ist ein Ort mit unglaublicher Energie.
Auf der Welt gibt es ja eine ganze Menge von besonderen Orten: Solche, die zum Entspannen einladen wie beispielsweise eine gemütliche Kneipe, andere, die man nur unter großen Strapazen besuchen kann wie etwa die Nordwände der Alpen. Dann gibt es Orte der Meditation und solche, die zum Feiern und Ausgelassensein einladen.
Das Camp 4 vereint alle diese Möglichkeiten: Es ist ein Ort für alles. Ein Ort für die Ruhigen und die Ausgelassenen, für die Wilden und die Schüchternen, für Könner und Nichtkönner, für Planer und Chaoten. Selten habe ich einen Ort gesehen, an dem so viele Nationen friedlich zusammenleben.

Es ist einmal geschrieben worden, die Interessen der Bewohner des Camp 4 wären Klettern, Essen, Drogen und Frauen.
Heute ist das etwas anders. Klettern ist immer noch an erster Stelle. Gefolgt von Bigwallen, Bouldern, auf der Bandschlinge balancieren, Soloklettern, Alkohol und Basejumpen. Auch Essen hat immer noch hohe Priorität. Frauen gibt es nicht viele. Und wenn, dann bringen sie ihre muskelbepackten Freunde mit, gegen die man eigentlich nur klein, zerbrechlich und kindsköpfig aussehen kann.
Und Drogen? Davon gibt es auch nicht mehr oder weniger als auf einem anderen Platz der Welt. Aus persönlicher Erfahrung kann ich es nicht empfehlen, mit jemand klettern zu gehen, der mit der Frage „Hey brother, wanna get stoned?" nach Freunden Ausschau hält.
Die amerikanischen Kletterer haben verschiedene Hobbies, die in Europa nicht bekannt sind.

Zum Beispiel das Materialsortieren.

 
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