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"Camp 4 - Im Zentrum des Yosemite"
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Will man von irgendjemand Informationen haben, dann fragt man ihn nach „Beta". So nennt sich das Wort für Ratschläge im Camp 4.
Ich habe lange nach dem Wort in Wörterbüchern Ausschau gehalten und bin durch die Lektüre alter Kletterzeitungen und durch die Gespräche mit anderen Kletterern zu einer Lösung gekommen. Und zwar steht „Beta" für ein altes Videoformat, dass nach den Super 8 Filmen zusammen mit dem VCR eingeführt wurde.
Einige Kletterer filmten sich beim Bouldern mit der Videokamera und schauten sich die Filme im Beta Format immer wieder an, um etwas über die Bewegungen und die Taktik beim Bouldern zu lernen. Daher kommt der Ausdruck „Beta", der nichts anderes als „Ratschlag" oder „Tipp" bedeutet.

Seltsamerweise wusste ich lange nicht, wie man „Yosemite" richtig ausspricht. In Österreich gibt es eine Menge Leute, die „Tschosameit" sagen. Ich habe mal in Kanada einen Österreicher in einem Bergsportladen gesehen, der einen ganzen Sack voller Haken kaufte und dem Verkäufer erklärte: „I go Tschosameit Välli. I go climb El Capitan!". Für einen Amerikaner ist diese Aussprache natürlich unverständlich. Eine abgemilderte Form des radebrechenden „Tschosameit" ist das „Tschosemittie". Viele Deutsche sprechen es so aus. Es liegt schon ziemlich nahe an der Wirklichkeit. In Amerika sagt man „Josemittie". Aber selbst diese Aussprache ist unter Umständen falsch, denn „Yosemite" ist ein Begriff der Ureinwohner.

Aus der Sicht derjenigen, die über Jahre hinweg auf dem Camp 4 wohnen, habe ich natürlich gar kein Recht, über diesen Platz zu schreiben. Im Vergleich zu ihnen war ich ja immer nur ein Reingeschmeckter, ein Kurzbesucher, der heute kommt und morgen wieder geht.
Man sagt ja schnell einmal, dieser oder jener Platz sei wunderschön, so dass man für den Rest seines Lebens dort bleiben könnte. Ich habe so etwas noch nie von mir gegeben. Das Yosemite würde mir irgendwann auf den Kopf fallen. Eine Landschaft kann sowieso nie wirklich eine Heimat sein. Eine Heimat sind die Menschen, die man gern hat, die Familie oder die Freunde. Über Jahrhunderte war das Yosemite das Zuhause für die Indianer und nun reklamieren es ein paar dahergelaufene Freizeitmenschen als Ihres und machen es zu einem Flüchtlingscamp der Wohlstandskinder.
Geschichte wiederholt sich vielleicht, aber man kann sie nicht rückwärts drehen. Seit zwei oder drei Jahren ist das Camp 4 unter historischem Schutz, weil es für den amerikanischen Alpinismus sehr wichtig war. Das haben wir dem Erstbegeher der Salathe zu verdanken. Tom Frost hat dafür viel Zeit, Geld und Mühe investiert.
Hoffen wir, dass uns das Camp 4 mit seinen schönen alten Bäumen weiter erhalten bleibt.

 

 

 

 



 
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