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sporthaengen.jpgEine amüsante Geschichte von Peter Brunnert aus Wir müssen da hoch.


Wer Malte Roeper mag, wird Peter Brunnert lieben.

Hat man erstmal angefangen, zu lesen, kann man einfach nicht mehraufhören. (Musste ich gerade in der Mittagspause damit anfangen???)
Klettern so amüsant beschrieben, dass man sogar über Stürze herzlich lachen kann.
Und auch für Nicht-Kletterfreaks durchaus geeignet, nicht zuletzt weilim Anhang wichtige Fachbegriffe wie Stichtbremse und Coors (amerik.Bier...) äusserst kurzweilig beschrieben werden.

Bleibt zu hoffen, dass Peter Brunnert es nicht bei diesem Buch belässt.

(Eine Renzension auf amazon.de, der ich mich voll und ganz anschließen kann!) 

Viel Spaß bei einem höchst vergnüglichen Auszug aus dem Büchlein...

Sporthängen

 
Der Klettersport verändert sich unaufhörlich.Und wir mit ihm. Manches ist aber einfach nur witzig. Und ich fragemich dann immer, ob nicht doch jemand in all diesen Lifestyle-SachenGeld verdient, die wir meinen, als gottgegebene Phänomene hinnehmen zumüssen. Beim Sporthängen gibt's aber bestimmt andere Ursachen.

Ich weiß ja nicht, ob das nur mir allein so geht, oder ob Euch das auchschon mal aufgefallen ist. Ich meine das mit dem Sporthängen. Wiejetzt. Sporthängen, werden die meisten sagen, was ist das denn? Kenn'ich gar nicht. Doch, doch:

Sporthängen ist eine von den ganz neuen Disziplinen, heute würde man jasagen: Trendsportarten. Spacy, abgefahren, megacool, total angesagt.Sporthängen.

Wie konnte es dazu kommen? Also: Früher, tja was heißt früher, alsosagen wir mal zu Beginn der siebziger Jahre, da ging man Bergsteigen.Und da man meistens für irgendwelche Alpentouren trainierte, zog mansich entsprechend an: Knickerhosen und vibrambewehrte Bollertreter, ambesten steigeisenfest.

Irgendwann Mitte der Siebziger trug man dann statt der Knickerhosenabgewetzte Cordjeans mit 32er-Schlag, weil das ein gewisser Reinhold M.aus dem Vilinösstal auch tat. Und plötzlich war das dann keinBergsteigen mehr, sondern Klettern. Irgendwann waren dann mal die„Galibier Super-Calcaire" total angesagt. Man trug sie zunächst mitReinholds Cordhosen, später dann auch zu Adidas-Trainingshosen(Reißver-schluss offen) und nannte das ganze Freiklettern.

Ende der Siebziger ein revolutionärer Einschnitt:
Man wechselte gleichzeitig Schuhe (EBs) und Hosen (weiße Malerhosen),ergänzte das ganze durch Kopftuch und Magnesiabeutel und nannte esFree-climbing oder, wenn man sich Klemmkeile leisten konnte, auchCleanclimbing. Irgendwann kam dann mal jemand auf die Idee, seinerFreundin die Aerobic-Hose zu entwenden und dazu passend spanischeTreter (Fire) zu probieren - das Sportklettern war geboren.

Danach wurden eigentlich nur die Schuhe immer enger und die Hosen immerteurer. Bis eines Tages heimlich und unbemerkt das Sporthängen anunseren Kletterfelsen Einzug hielt.

Das erste Mal bewusst wahrgenommen habe ich es an einem schönenSommertag im Ith. Schon auf dem Weg zu den Felsen war mir eine Gruppelässig gekleideter junger Menschen aufgefallen, die man auf den erstenBlick auch für Snow- oder Skateboarder hätte halten können, wären danicht Klettergurt und Seilsack gewesen, die sie als Vertreter deralpinen Zunft entlarvten. Sie bezogen schließlich am Nachbarfels untereiner fürchterlich schweren Route Stellung und rüsteten zum Angriff.Bereits nach einer knappen Stunde - wir hatten an unserem Fels die dreischönsten Routen geklettert - hing einer von ihnen am zweiten Bolt derbesagten Route und diskutierte mit seinen Freunden über die Dinge, dienun folgen sollten. Wir warteten ein bisschen, um zu sehen, wie dieMeter bis zum nächsten Bolt bewältigt werden würden, doch vergeblich.Der Hängende ließ sich neben guten Ratschlägen auch Verpflegungzuwerfen und machte keinerlei Anstalten, den Fels zu berühren.Enttäuscht zogen wir weiter, ohne dem Gesehenen irgendeine Bedeutungbeizumessen.

Ein ganz normaler Klettertag sollte folgen.

Als wir jedoch am Nachmittag auf dem Rückweg wieder unter der besagtenRoute vorbeikamen, stockte uns der Atem: Tatsächlich - da hing er immernoch, diesmal tastete er den Fels ab, setzte seinen Fuß mal auf diesenTritt, mal dorthin, zog plötzlich an, rutschte vom Tritt und pendelteins straffe Seil zurück.

Kein Fluch entwand sich seinem Mund, kein Ausdruck der Enttäuschungüber den missglückten Versuch. Schlagartig wurde uns klar: Das istetwas ganz Neues, noch nie Dagewesenes, eine neue Dimension desSportkletterns:

Das Sporthängen.

Inzwischen sind, obwohl eigentlich Frankreich als das Mutterland desSporthängens gilt, auch unsere Klettergebiete voll von Sporthängern.Sie bevorzugen Gebiete mit überhängenden, satt verbühlerten Routen,während sie Eibsand ob der geringen Anzahl von Hängepunkten undHandegg-Granit wegen der ungünstigen Felsneigung, die kein wahresHängen ermöglicht, meiden wie Löwen-Fans die Säbener Straße.

Ziel des Sporthängens ist nämlich, innerhalb einer Route möglichst oftund lang zu hängen. Dafür nimmt der Sporthänger auch bewusst langeStürze in Kauf, wobei strittig ist, ob die Flugzeit zur Hängezeit zähltoder nicht.

Entscheidend ist die möglichst lange Belastung der Sicherungsketteunter völligem Verzicht auf natürliche Haltepunkte. Ein Sporthänger ander Sturzgrenze wird sich nicht gegen den bevorstehenden Abflug wehren- im Gegenteil: Die Schwerkraft ist der Freund des Sporthängers.

Auch die soziale Komponente kommt beim Sporthängen nicht zu kurz: DerSichernde macht immer mit, Grigri-bewehrt, von der Bodenmannschaftunterstützt.

Immer populärer, werden auch Hangouts an den Bergen der Welt, besondersbeliebt sind hier das Karakorum und Patagonien, da dort die Wände sohoch sind, dass oft tage-, ja sogar wochenlanges Hängen möglich wird.

Auch die Sportartikelindustrie hat auf den neuen Trend sofort reagiertund ist auf den Zug aufgesprungen: Bequeme, breit geschnittene,doppellagig gepolsterte Sitzgurte, Komfort-XL -Cut-Kletterschlappen,Leisure-Fit-Hanging-Trousers mit Cargo-Taschen für Verpflegung,superisolierte Restpads in Trendfarben für die Bodenmannschaft.

Indoor-Hängeanlagen schießen mittlerweile wie Pilze aus dem Boden und machen so wetterunabhängiges Ganzjahreshängen möglich.

Sporthängen:
Die flippigste und angesagteste Trendsportart seit Streetsoccer und Step-Aerobic.

Go hang a-round!
 
 
 
 
 
 
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